zur Lage mittelständischer Unternehmen

Wir l(i)eben Mittelstand. Gemeinsam mit Ebner Stolz Mönning Bachem, einem  der größten mittelständischen Beratungsunternehmen, haben wir, der BdW- Beirat der Wirtschaft e.V., die Stimmung und Trends der deutschen mittelständischen Unternehmerlandschaft unter die Lupe genommen. Es ist für uns wichtig, am Puls der Zeit zu sein und zu wissen, wo der Schuh unserer Mitglieder und Klienten im Einzelnen drückt. Wenngleich jedes Unternehmen mit seinen individuellen Herausforderungen zu kämpfen hat, sind doch Trends zu verzeichnen.

Wie schätzen mittelständische Unternehmen ihre Lage ein und welche konkreten Probleme sind für sie von Belang? Das wollten wir in unserer im April/Mai 2016 erhobenen Studie wissen. Die Daten wurden in einer nicht-repräsentativen Online-Umfrage unter mittelständischen Unternehmen in Deutschland erhoben. Von den über 50 Unternehmen, die geantwortet haben, wiesen mehr als 80% Umsätze bis zu 50 Mio. Euro aus. Nahezu zwei Drittel der Unternehmen beschäftigten bis zu 100 Mitarbeiter. Ebenfalls über 80% der Unternehmen waren inhabergeführt.

Die gute Nachricht zuerst: 62 % der Unternehmen halten die Lage ihres Unternehmens für gut bis sehr gut. Dies deckt sich in der Tendenz mit der Konjunktureinschätzung des Deutschen Instituts der Wirtschaftsforschung DIW vom Mai 2016. Verantwortlich für die positive Lageeinschätzung ist die Auftragssituation der Unternehmen, die sich lediglich bei 12 % verringert hat. Im Übrigen hat sie sich verbessert oder ist zumindest gleich geblieben.

Die Zufriedenheit mit den Standortbedingungen korreliert mit der regionalen Verbundenheit. Ihrer Region gaben die Unternehmen eine Durchschnittsnote von 1,82, dem jeweiligen Bundesland wurde keine Durchschnittsnote schlechter als befriedigend vergeben. In Sachen Infrastruktur, insbesondere der Versorgung mit Strom, Wasser und Gas erteilten 90% der Unternehmen die Note „gut“ bis „sehr gut“. Demgegenüber ist ein Verbesserungsbedarf in puncto Internetanbindung auszumachen. Mit dem Ausbau des Straßennetzes sind nahezu zwei Drittel der Unternehmer zufrieden bzw. sehr zufrieden. Weitaus schlechter ist das Urteil über die Deutsche Bahn ausgefallen.

Beklagt wird die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte, die von lediglich knapp 20 % als gut bis sehr gut eingeschätzt wird. Fast 40 % der Unternehmen bewerten die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte hingegen mit der Note „4“ oder schlechter. Besorgniserregend sind auch die Befragungsergebnisse zur Frage nach der Qualifikation der Schulabgänger.

Nach wie vor bilanziert die weitaus überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen nach den Vorschriften des deutschen Handelsrechts und nicht nach IFRS oder US-GAAP. Angesichts der Schnelllebigkeit des Steuerrechts wollten wir von den Unternehmen wissen, wie sie die Entwicklung der Komplexität von Steuern und Abgaben einschätzen. Hier beklagen 60 % der Unternehmen ein Ansteigen der Komplexität, wobei die Entwicklungen in besonderem Maße negativ im Hinblick auf die Sozialen Abgaben und den Bereich Umsatzsteuer eingeschätzt werden.

Steuerliche Motive spielen bei Investitionsentscheidungen nur eine untergeordnete Rolle; sofern jedoch steuerliche Motive Investitionsentscheidungen explizit zugrunde gelegt wurden, hat dies bei 60 % der Unternehmen dazu geführt, dass sie im Ausland investiert haben. Das bedeutet, dass die in Deutschland vorherrschenden steuerlichen Rahmenbedingungen im Vergleich zum Ausland nach wie vor negativ bewertet werden. Die Hoffnung auf Erleichterungen und Verfahrensvereinfachung dürfte in weite Ferne gerückt sein. Denn gerade im Rahmen des BEPS-Projektes werden auch dem international agierenden Mittelstand weitere bürokratische Lasten aufgebürdet. Diese zu meistern, wird ohne steuerlichen Expertenrat kaum möglich sein.

Die gute Konjunktur und die seit mehreren Jahren andauernde Niedrigzinsphase führen letztlich dazu, dass die Bedeutung von Krediten für die Unternehmen nicht besonders hoch ist. Nur knapp mehr als ein Viertel schätzte diese mit hoch oder gar sehr hoch ein. Brisanter dürfte es vielmehr angesichts des Trends der Banken, von Unternehmen Negativzinsen zu verlangen, werden, wie Unternehmen ihre liquiden Mittel in Zukunft zielführend anlegen können. Das Bankkonto dürfte hierfür aktuell kein adäquates Mittel sein. Immerhin 11% der Unternehmen gaben an, gar keine Banken für ihre Finanzierung zu nutzen. Wenigstens bewerteten fast 50% der Unternehmen die Zufriedenheit mit den Banken mit „gut“ oder „sehr gut“.

Über die alltäglichen Herausforderungen hinaus war in den letzten Jahren nach der Finanzkrise die Staatsverschuldung ein für den Mittelstand großes Thema. Dieser Trend hat sich nunmehr verschoben. So sehen derzeit 67 % die demographische Entwicklung, 18 % das Thema Migration und lediglich 14 % das Thema Staatsverschuldung als besonders belastend an.

Summa summarum ist der Mittelstand gut aufgestellt und kommt mit der gegenwärtigen Situation gut zurecht. Einzelne Herausforderungen können unter Hinzuziehung von Expertenrat sicherlich gelöst werden. Der Fachkräftemangel und die demographische Entwicklung hingegen sind Themen, die visionäre Lösungsansätze fordern. Die aktuellen Studienergebnisse im Detail finden Sie hier oder untenstehend als Downlowad.

Monika Geßner, Vorstand BdW- Beirat der Wirtschaft e.V.


Zurück