In Zeiten, in denen Tricksereien der (Auto)Konzerne und Panama-Papers die Schlagzeilen bis hin zu den Boulevard-Blättern bestimmen, ist das Thema Compliance in aller Munde. Auch wenn Wachstum und Profit entscheidende Leitlinien für das täglich unternehmerische Handeln bleiben – das Denken in größeren Zusammenhängen wird immer wichtiger. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Unternehmen ist gelebte Corporate Compliance. Im Unterschied zu nur auf dem Papier vorhandenen Compliance-Richtlinien bezieht sie den menschlichen Faktor als handelnde Person mit ein. Denn allein die Beachtung von Standards und Normen, verbunden mit der doch häufig trügerischen Sicherheit von Zertifizierungen, die im Zusammenhang mit Compliance Management durchgeführt werden können, reichen nicht aus. Corporate Compliance muss top-down vorgelebt werden auf Basis der Werte und des Verhaltens der Führungsmannschaft. 

Um Compliance wirksam in Unternehmen zu verankern, ist es erforderlich, zu verstehen, wie Menschen in komplexen Arbeitsumfeldern, schwierigen Entscheidungssituationen oder Krisen funktionieren und wie sie gezielt daran arbeiten können, diese Herausforderungen trotz Druck zu meistern. Der Schlüssel dazu liegt im persönlichen “State-Control“. Unter „state“ versteht man die Summe aller neurologischen und emotionalen Prozesse, die zu irgendeiner Zeit in einem Menschen entstehen. „State-Control“ ist die Fähigkeit unseres Gehirns, Emotionen im Alltag zu managen und Teil jeder Entscheidung, die wir treffen. Bewusst oder unbewusst. Menschen, die über eine gute Fähigkeit ihren „state“ zu kontrollieren verfügen, reagieren in Krisensituationen entspannter und treffen bessere Entscheidungen. Der Compliance-State bezieht sich auf unser Grundgefühl, das wir rechtlichen Fragen gegenüber haben – also unser Verständnis von Moral und Ethik und wie wir es in unseren Handlungen umsetzen. Unsere Gedanken und unsere Haltung darüber prägen unseren State und der wiederum kontrolliert unser Verhalten. Welchen aktiven Einfluss jeder Einzelne auf seinen ganz persönlichen Compliance-State hat und ob bzw. wie er ihn nutzt, fußt zunächst einmal wesentlich auf seinen persönlichen Erfahrungen. Was wir als „gut“ oder „böse“, „recht“ oder „schlecht“ empfinden, ist vor allem das Ergebnis der Vorbilder, Lernprozesse und Interaktionen, die wir von Kindesbeinen an durchleben. Und sukzessive entwickeln wir so unseren eigenen Compliance-Kompass, die Werteskala, für die wir stehen. Inwieweit wir diesen Erfahrungshorizont erweitern bzw. bewusst zu einem Compliance-State entwickeln, das entscheiden wir letztendlich jeden Tag neu. 

Der rein physische Verantwortliche für unseren ’state‘ sitzt übrigens – wo sollte es auch anders sein – im Gehirn – es ist der Präfrontale Cortex (PFC). Er gilt als unser Emotions- oder state-Manager. Er sorgt dafür, dass wir agieren und nicht nur reagieren. In kritischen Situation – also z.B. in einer Compliance-Krise – lenkt der PFC die innere Stimme, die beschwichtigt oder versucht zu bewältigen: „Das wird schon gut gehen…das merkt schon keiner…das schaffe ich schon.“ Doch der PFC hat nur eine begrenzte Kapazität – vergleichbar mit einem Akku. Je höher der Druck wird, desto schneller verbraucht sich die Fähigkeit zu agieren – wir reagieren häufig nur noch. Überlegte, integre und moralisch einwandfreie Entscheidungen sind unter Druck kaum mehr möglich. Angstreaktionen bestimmen das Verhalten.

 Dank der Neurowissenschaften wissen wir aber nicht nur, wie unser Gehirn in Krisensituationen tickt, sie haben auch ein Verständnis dafür geschaffen, wie durch gezielte non-kognitive Techniken optimiert werden kann. Der Schlüssel dazu liegt in der Neuroplastizität des Gehirns und der regelmäßigen Integration von non-kognitiven Techniken in den Alltag. So wird ein gutes State-Controlling gerade in Compliance-Krisen zum nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. Für eine nachhaltige Umsetzung eines ‚Compliance-State‘ im Unternehmen sind wir als Coaches gefragt. Mehr zu diesem Thema auch in meinem neuen Buch, das ich zusammen mit der Rechtsanwältin Dr. Kathrin Niewiarra geschrieben habe: ‚Balanceakt Compliance. Warum Recht und Gesetz nicht genug sind.‘ Und wer die Inhalte aus dem Buch in die Praxis umsetzen möchte: Wir bieten ab Januar 2017 dazu passende Seminare an. Die Seminare zeigen Techniken, wie Corporate Compliance als integraler Bestandteil einer Werte- und Unternehmensstrategie gelebt werden kann, wie der Mensch in Compliance-Krisen funktioniert bzw. wie er gezielt daran arbeiten kann, in schwierigen Situationen maßvoll zu reagieren und trotz (Margen-)Druck souverän zu agieren. Die Teilnehmer lernen praxisnah, wie Entscheider die innovativen value@complianceandcoaching-Strategien im Unternehmensalltag glaubwürdig und nachhaltig integrieren und leben. Präventive Vorgehensweisen, innovative Integrity-Assessment-Module, transparente und glaubwürdige Kommunikation – die Seminare vermitteln den Balanceakt Compliance auf höchstem Niveau. www.complianceandcoaching.com


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